Border Collie Gesundheit
Gesundheit bedeutet beim Border Collie weit mehr als das Fehlen sichtbarer Symptome. Als aktive, leistungsfähige Hunderasse stellt der Border Collie besondere Anforderungen an Körperbau, Nervensystem und Belastbarkeit. Eine verantwortungsvolle Border Collie Zucht basiert daher auf Wissen, Transparenz und gezielter Gesundheitsvorsorge.
Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Border Collie Krankheiten – darunter bekannte Erbkrankheiten beim Border Collie sowie orthopädische Erkrankungen, die mittels Röntgen beurteilt werden. Ziel ist es, fundierte Informationen zu geben und zu erklären, warum Gesundheitsuntersuchungen und Gentests ein unverzichtbarer Bestandteil seriöser Zuchtarbeit sind.
Ein weiterer, zentraler Bestandteil verantwortungsvoller Border Collie Zucht ist die zuchthygienische und gesundheitliche Überwachung der Zuchthunde und ihrer Nachzuchten. Verantwortung endet nicht mit einem bestandenen Gentest oder einer einmaligen Untersuchung. Entscheidend ist die langfristige Beobachtung der Zuchttiere sowie der aus ihnen hervorgehenden Würfe über mehrere Generationen hinweg.
Gesundheitliche Auffälligkeiten, Belastbarkeit, Entwicklung und Langlebigkeit der Nachzucht liefern wichtige Erkenntnisse für zukünftige Zuchtentscheidungen. Wer diese Daten nicht erhebt oder ignoriert, züchtet ohne belastbare Grundlage. Nachhaltige Border Collie Zucht bedeutet, aus der eigenen Nachzucht zu lernen und Verantwortung über Jahre hinweg zu übernehmen.
Verantwortung in der Border Collie Zucht zeigt sich nicht in Testergebnissen allein, sondern im ehrlichen Umgang mit der eigenen Nachzucht.
Erbkrankheiten beim Border Collie (Gentests)
Moderne Gentests sind ein unverzichtbares Werkzeug in der verantwortungsvollen Border Collie Zucht. Sie ermöglichen es, bekannte Erbkrankheiten frühzeitig zu erkennen und das Risiko ihrer Weitergabe an Nachkommen zu minimieren. Durch die gezielte Überprüfung der Zuchthunde können Züchter fundierte Entscheidungen treffen und gesunde Verpaarungen planen. Gleichzeitig bietet diese Transparenz Welpeninteressenten Sicherheit, dass die Nachkommen bestmögliche Voraussetzungen für Gesundheit, Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit mitbringen.
Gentests ersetzen dabei nicht die regelmäßige klinische Untersuchung, die Beobachtung der Nachzucht und eine langfristige Zuchthygiene, sind aber ein zentraler Baustein, um die Nachhaltigkeit der Border Collie Zucht zu sichern.
Bei vielen genetischen Erkrankungen unterscheidet man zwischen freien Hunden, Trägern und betroffenen Hunden.
Frei/free: Das Tier trägt die Krankheit nicht in seinen Genen.
Träger/carrier: Das Tier trägt das veränderte Gen, zeigt selbst aber keine Symptome.
Betroffen/affected: Das Tier ist genetisch so veranlagt, dass die Erkrankung ausbricht.
Ein Träger/carrier ist für die Zucht nicht automatisch problematisch, solange der Partner frei/free ist. Durch eine sorgfältige Zuchtplanung kann die Erkrankung sicher vermieden werden, ohne dass gesunde, belastbare Nachkommen gefährdet werden.
Wichtige Gentests im Detail
CEA – Collie Eye Anomaly
CEA ist eine angeborene Fehlbildung der Aderhaut und des Sehnervs im Auge. Die Symptome reichen von kaum sichtbaren Veränderungen bis hin zu Netzhautablösungen, die das Sehvermögen stark beeinträchtigen können. Eine Kombination aus klinischer Augenuntersuchung und Gentest ermöglicht die sichere Beurteilung des Risikos.
TNS – Trapped Neutrophil Syndrome
TNS ist eine schwere genetisch bedingte Erkrankung des Immunsystems. Betroffene Welpen sind meist nicht lebensfähig, da die weißen Blutkörperchen nicht korrekt gebildet werden und Infektionen nicht abgewehrt werden können.
EAOD – Early Adult Onset Deafness
EAOD ist eine genetisch bedingte Taubheit, die nicht bei Geburt, sondern im jungen Erwachsenenalter auftritt – häufig zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr, in einigen Fällen auch später, z. B. mit 24 Monaten. Betroffene Hunde zeigen oft zusätzlich Gleichgewichtsstörungen. Bislang steht nur ein Markertest, zum Beispiel über MyDogDNA, zur Verfügung, der Hinweise auf das Risiko liefert, aber keine absolute Sicherheit bietet.
SN – Sensory Neuropathy
Sensory Neuropathy ist eine neurologische Erkrankung, bei der das Schmerzempfinden stark reduziert oder gestört ist. Betroffene Hunde verletzen sich häufig unbemerkt und zeigen Unsicherheiten beim Gehen. Die Symptome treten meist im Welpen- oder Junghundealter auf und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
MDR1 – Medikamentenempfindlichkeit
MDR1 betrifft Hunde, die auf bestimmte Medikamente empfindlich reagieren. Die Genotypen sind:
+/+ (frei): keine Probleme bei Medikamenten.
+/- (Träger): kann teilweise reagieren, meist milder.
-/- (betroffen): reagiert stark und potenziell gefährlich.
Besonders betroffen sind Medikamente wie bestimmte Entwurmungsmittel (z. B. Ivermectin in höheren Dosen), Herz- und Kreislaufmedikamente, Beruhigungs- und Schmerzmittel sowie einige Chemotherapeutika.
GG – Glaucoma & Goniodysgenesis
GG umfasst Veränderungen der Augen, die zu erhöhtem Augeninnendruck (Glaukom) oder Fehlbildungen der Kammerwinkel führen können. Betroffene Hunde riskieren Sehverlust, wobei die Ausprägung variieren kann.
RS – Raine Syndrome
RS betrifft vor allem die Zähne und den Kiefer, kann aber auch andere Skelettbereiche beeinflussen. Betroffene Hunde zeigen häufig fehlende oder veränderte Zähne, Fehlstellungen des Kiefers oder abweichende Zahnstellungen, was Futteraufnahme und Lebensqualität beeinträchtigen kann. Bei Border Collies tritt RS häufiger auf als oft angenommen.
NCL – Neuronale Ceroid Lipofuszinosen
NCL ist eine genetisch bedingte, fortschreitende neurologische Erkrankung. Betroffene Hunde zeigen zunächst Verhaltensänderungen, Lernschwierigkeiten und Koordinationsprobleme, später können Muskelzuckungen, Krämpfe und schwere Bewegungseinschränkungen auftreten. Die Erkrankung führt unweigerlich zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Lebensqualität und ist meist lebensverkürzend.
IGS – Imerslund-Gräsbeck-Syndrom
IGS ist eine genetisch bedingte Erkrankung, bei der Hunde Vitamin B12 nicht richtig aufnehmen können. Betroffene Tiere entwickeln Blutarmut, Wachstumsstörungen und häufig wiederkehrende Infektionen, die meist schon im Welpenalter auftreten. Ohne Behandlung kann die Erkrankung lebensbedrohlich sein.
Augenkrankheiten (Augenuntersuchungen)
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